Wir verwenden keine Cookies. Da wir aber mit Werbepartnern (z. B. Google) zusammenarbeiten, beachten Sie bitte vor Nutzung der Webseite folgende Details

HomePrivate Vorsorge ⇒ Riesterrente

Private Vorsorge

Riesterrente

Die Riester Rente kann zu den zentralen Instrumenten gezählt werden, die man zur zusätzlichen Vorsorge von Rentenversicherten erdacht hat. Es handelt sich um eine staatlich geförderte privat finanzierte Rente. Anfangs konnte sich die Riester Rente nicht gerade eines großen Zuspruchs erfreuen. Zu unsicher war der Anleger, zu dünn waren die Informationen des Staates. Da wurden dann Anlagen als förderfähig verkauft, die gar nicht gefördert wurden. Eigentlich eine unschöne Sache, aber das ist nun Geschichte.

Im Jahr 2008, also sechs Jahre nach Einführung der Riester Rente, hatten sich knapp 12 Millionen für diese zusätzlich Altersvorsorge entschieden. Das ist nicht ganz die Hälfte der Anspruchsberechtigten. Allerdings steigen die Anlegerzahlen ziemlich beständig.

Woher kommt die Riester Rente?

Die Riester Rente geht namentlich auf Walter Riester zurück. Der war als damaliger Minister einer der Hauptinitiatoren dieser Förderung, weshalb man ihr seinen Namen gab.

Ablauf der Riester Rente

Riestern ist vergleichsweise einfach. Der Anleger legt monatlich einen bestimmten Betrag in die Riester Rente als Vorsorge fürs Alter. Dafür erhält der Anleger staatliche Zuschüsse und Steuervorteile. Vom Staat gibt es eine Grundzulage für den Vertrag sowie eine Extrazulage für jedes Kind. Um die Höchstzulagen zu erhalten, muss man aber auch einen bestimmten Betrag anlegen - im Jahr 2008 waren es 4% der beitragspflichtigen Einnahmen (abzüglich der Zulagen, maximal aber 2.100 Euro).

Wer erhält die Riester Förderung?

Grundsätzlich sind alle sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und sozialversicherungspflichtige Selbstständige, Beamte, Arbeitslosengeldbezieher (die mindestens 60 Euro im Jahr in den Vertrag zahlen), Mitglieder der Künstlersozialversicherung sowie Wehr- und Zivildienstleistende förderungsfähig.

Außerdem zählen zu den Förderberechtigten:

  • Pflichtversicherte nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte,
  • Kindererziehende (maximal für die ersten drei Lebensjahre eines jeden Kindes),
  • Bezieher von Krankengeld,
  • ALG-II-Empfänger über § 3 Satz 1 Nr. 3a SGB VI
  • nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen (z. B. bei Pflege von Angehörigen im Haushalt),
  • geringfügig Beschäftigte bei Verzicht auf die Versicherungsfreiheit, wenn der Beitrag des Arbeitgebers auf den vollen Rentenversicherungs-Beitrag aufgestockt wird,
  • Bezieher von Vorruhestandsgeld, sofern diese zuvor pflichtversichert waren,
  • Beamte, Richter und Soldaten sowie diesen gleichgestellte Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei oder von der Versicherungspflicht befreit sind, weil ihnen eine beamtenrechtliche oder beamtenähnliche Versorgung gewährleistet wird,
  • Amtsträger
  • die Ehepartner aller Zulagenberechtigten
  • vollständig erwerbsgeminderte oder dienstunfähige Personen

Wer erhält keine Riester Förderung?

Nicht gefördert werden Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind sowie Mitglieder berufsständischer Einrichtungen wie Anwälte, Ärzte oder Architekten.

Außerdem werden nicht gefördert

  • geringfügig versicherungsfrei Beschäftigte, die den Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht durch eigene Beiträge aufstocken,
  • Altersrentner,
  • Bezieher einer Rente wegen teilweise verminderter Erwerbsfähigkeit ohne rentenversicherungspflichtige Beschäftigung oder Tätigkeit und
  • Studenten, die nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Ausnahmen: Ehepartner

Wer normal keine Förderung erhielte, jedoch mit einem förderungswürdigen Partner verheiratet ist, der kann eine Förderung beantragen. Jedoch erhält er dafür keine Steuervergünstigungen. Diese indirekt Förderungsberechtigten können jedoch nur von maximal einem Vertrag profitieren.

Altersbegrenzungen

Eigentlich gibt es keine Altersbeschränkung für Riester-Verträge. Jeder kann unabhängig des Alters den Vertrag abschließen. Aber dennoch lehnen einige Anbieter Menschen ab, die älter als 55 Jahre sind!

Abwicklung eines Vertrages

Der Anleger geht in der Regel zu einer Bank oder Sparkasse und schließt dort einen Vertrag ab. Der muss förderungsfähig sein. Die Förderhöhe ist immer gleich. Beitragsgarantien gibt es für alle Verträge, aber Kosten und Risiken der Verträge unterscheiden sich oft stark voneinander. Der Anbieter muss Zertifizierungsvoraussetzungen erbringen. Er muss immer mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge zum Beginn des Auszahlungszeitpunktes garantieren.

Beitragshöhe

Die Beitragshöhe ist eigentlich nicht vorgeschrieben. Allerdings muss man, um die staatliche Förderung zu erhalten, den Mindestbeitrag leisten. Keiner muss aber den Maximalbeitrag zahlen. Wer jedoch weniger einzahlt, der wird das an niedrigeren Zulagen merken.

Was tun, wenn man nicht mehr zahlen kann?

Wer nicht mehr einzahlen kann, der sollte den Riester-Vertrag nicht gleich kündigen. Die Lösung heißt hier Beitragsfrei-Stellen. Das heißt: man zahlt nicht mehr weiter ein, der Vertrag an sich bleibt jedoch bestehen. Es kommen dann keine neuen Beiträge mehr zum Kapital, das bisher angesparte Kapital vermehrt sich jedoch weiter bis zum Renteneintritt. Wer kündigt, fährt teuer: er muss alle bislang erhaltenen Vergünstigungen und Zulagen zurückzahlen. Dazu kommen auch noch Verwaltungs- bzw. Stornokosten. Also: besser beitragsfrei stellen als kündigen.

Riestern mit Erwerb selbst genutzten Wohneigentums zur Altersvorsorge

Unter bestimmten Voraussetzungen kann man zwischen 10.000 bis 50.000 Euro aus Einlagen des Riester Vertrages zum Erwerb eines selbst genutzten Wohneigentums nutzen, sofern dies der Altersvorsorge dient. Allerdings muss man den entnommenen Betrag zurückzahlen - spätestens ab zwei Jahre nach Entnahme muss man in gleich hohen Raten in den Vertrag zurückzahlen. Und zwar in der Höhe, dass bis Rentenbeginn das Geld wieder drin ist. Diese Rückzahlungsraten sind nicht förderungsfähig. Um hingegen Riester Förderung zu erhalten, muss man weiter Sparleistungen erbringen.

Riestergelder sind Pfändungsicher und vor ALG II Anrechnung

Alle Gelder, die in einem Riestervertrag liegen, werden bei der Anrechnung von Vermögen bei ALG II nicht berücksichtigt. Ebenso ist das Kapital pfändungssicher.

Wechsel des Anbieters

Man kann mit seinem angesparten Kapital den Anbieter wechseln. Allerdings ist das in der Regel mit Kosten verbunden.

Zulagen vom Staat

Vom Staat gibt es im Prinzip die Altersvorsorgezulage und dazu auch noch die Steuervergünstigung über Sonderausgabenabzug.

Die Höhe der Zulage

Jahr Grundzulage Ledige Grundzulage Verheiratete Kinderzulage
2002/ 2003 38 EUR 76 EUR 46 EUR
2004/ 2005 76 EUR 152 EUR 92 EUR
2006/ 2007 114 EUR 228 EUR 138 EUR
ab 2008 154 EUR 308 EUR 185/300 EUR

Anspruch auf die Kinderzulage besteht für die Kinder, für die im Kalenderjahr mindestens einen Monat lang Kindergeld bezogen wurde (gemäß BMF-Schreiben vom 17. November 2004 - RZ 26).

Der Mindestbeitrag

Man erhält die volle Zulage jedoch nur dann, wenn man den Mindestbeitrag leistet. Dieser richtet sich nach dem sozialversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres. Zahlt man den Mindestbeitrag nicht komplett, so gibt es die Zulagen nur anteilig.

Jahr Mindestbeitrag in Prozent Mindestbeitrag in Euro
ab 2004 2% 1.050 EUR
ab 2006 3% 1.575 EUR
ab 2008 4% 2.100 EUR

Um das Ganze etwas zu verwirren, gibt es noch einen Sockelbetrag für die Mindesteigenleistung. Sie beträgt seit 2005 für jeden Arbeitnehmer 60 Euro. Wird der Betrag unterschritten, gibt es gar keine Zulage.

Sonderausgabenabzug

Durch die Sonderausgaben ergibt sich eine Steuerersparnis. Von dieser Steuerersparnis wird der Anspruch auf Zulagen abgezogen. Dies nennt sich dann Zulagenförderung. Aber: Sonderausgabenabzug gibt es nur dann, wenn sonst keine Steuerfreistellung der Beiträge durch die Zulagen erreicht wird.

Für die als Sonderausgaben ansetzbaren Vorsorgebeiträge gibt es Grenzen. Die als Sonderausgaben ansetzbaren Altersvorsorgebeiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) sind beschränkt auf

  • 2002 / 2003: 525,- EUR
  • 2004 / 2005: 1.050,- EUR
  • 2006 / 2007: 1.575,- EUR
  • ab 2008: 2.100 Euro

Bedingungen der Förderung

Ein Vertrag muss zertifiziert sein. Dabei darf die Auszahlung nur als Leibrente vorgenommen werden. Es darf maximal 30% des Betrags teilausgezahlt werden. Sowohl die eventuelle Teilauszahlung als auch die Rentenzahlung sind steuerpflichtig. Wer gegen die Regeln der Riester-Rente verstößt, muss Zulagen und Steuervergünstigungen zurückzahlen. Auch bei Tod des Anspruchsberechtigten vor Rentenbeginn müssen Zulagen und Steuervergünstigungen zurückgezahlt werden. Hier kann jedoch eine Übertragung des kompletten Vertrages an den Ehepartner vorgenommen werden. Wer nicht mehr in Deutschland steuerpflichtig ist, der muss ebenfalls Zulagen und Steuervergünstigungen zurückzahlen.

Zertifizierungsvoraussetzungen für Verträge

  • Zu Beginn der Auszahlungsphase muss mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge (Eigenleistung + staatliche Zulage) garantiert werden.
  • Leistungen dürfen frühestens ab dem 60. Lebensjahr erbracht werden (Ausnahme: Berufsgruppen, bei denen die gesetzliche Rentenversicherung einen früheren Rentenbeginn vorsieht, z.B. Piloten und Bergarbeiter). Bei ab 2012 abgeschlossenen Verträgen wird der früheste Auszahlungstermin auf 62 Jahre nach oben geschoben. Während der Auszahlungsphase muss entweder eine gleichbleibende oder eine steigende Rente ausgezahlt werden. Falls vertraglich festgelegt, kann eine 30prozentige Einmalzahlung vereinbart werden.
  • Die Leistung muss als lebenslange Rentenzahlung erfolgen, etwa in Form einer Leibrente oder eines Auszahlungsplanes, der mit einer Leibrente verbunden ist.
  • Die Abschluss- und Vertriebskosten müssen auf mindestens fünf Jahre verteilt werden (gilt für Verträge die seit 2005 abgeschlossen wurden). Für vor 2005 abgeschlossene Verträge muss die Verteilung auf 10 Jahre erfolgen.
  • Bestimmte Informationen (z. B. über die Verwendung der Vorsorgebeiträge, die Höhe der Verwaltungskosten, u. Ä.) müssen bereitgestellt werden.
  • Eine vierteljährliche Kündigungs- oder Ruhestellungsmöglichkeit muss möglich sein. Beim Wechsel muss man das Kapital mitnehmen können. Über die Kosten des Wechsels muss der Vertragsnehmer aufgeklärt werden.
  • Ein geförderter Vertrag darf nicht abgetreten bzw. auf andere übertragen werden.
  • Laufende Beitragszahlung
  • Informationspflichten des Anbieters über diverse Kosten, Vermögensstand sowie Aspekte der Anlage
  • Ein Versicherter muss unbeschränkt steuerpflichtig sein.

Förderung von Wohneigentum, Berufseinsteiger-Bonus

Auch die Riester-Rente unterliegt immer wieder gewissen Änderungen und Anpassungen. So hat man 2008 zum Beispiel Wohn-Riester eingeführt. Sie soll die Finanzierung von Wohneigentum über Riester ermöglichen. Es wurde auch ein Berufseinsteiger-Bonus verabschiedet. So will man junge Sparer in die Verträge bringen. Demnach erhalten junge Riester-Sparer eine Grundzulage, die um 200 Euro höher ist als normal. Es gibt hierzu aber auch Forderungen:

  • Am Anfang des Abschlussjahres darf der Sparer das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
  • Der Sparer muss unmittelbar zulageberechtigt sein.
  • Grundsätzlich gibt es den Bonus nur für alle 1982 oder früher geborenen Sparer.

Streichen der Zulage, Schädliche Verwendung

Staatliche Zulagen können gestrichen werden. Das ist dann der Fall, wenn man nicht förderwürdig ist. Man spricht hier meist von der so genannten schädlichen Verwendung. Typische Gründe:

  • Kündigung des Riester-Vertrages (nicht bei Übertragung des Geldes auf anderen Vertrag)
  • Tod des Anspruchsberechtigten vor Rentenbeginn (Ehepartner kann aber die Ansprüche übernehmen)
  • Entnahme für Erwerb von Wohneigentum unter Missachtung der Vorgaben
  • Ende der Einkommenssteuerpflicht in Deutschland.

Förderfähige RiesteranlagenRiester-Verträge - nicht jeder lohnt sich für jedenWohn-Riester - Alternative oder nicht?